Le Chateaubriand

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Seit sechs Jahren finden wir Inaki Aizpitarte mit dem Restaurant Le Chateaubriand in der Liste der 50 weltbesten Restaurants (The World’s 50 Best Restaurants). Aktuell auf Platz 27. Die neue Liste erscheint am 1. Juni 2015.

Die Gegend um 129 Avenue Parmentier, 75011, Paris, France, ist nicht wirklich chic, doch darauf kommt es uns nicht an.

Das Restaurant öffnet um 19:30 Uhr, ist nach einer halben Stunde voll besetzt und entwickelt eine erstaunliche Lautstärke. Wir sehen vorwiegend französisches Publikum. Für den internationalen Touch müssen wir wohl herhalten.
Der Service ist engagiert, offensichtlich amüsiert, auskunftsfreudig und überaus freundlich.

Nachdem Inaki Aizpitarte die Küche inspiziert und die Crew eingeschworen hat, scheint seine Arbeit getan. Er schnappt seinen Motorradhelm und entschwindet.

Nach einem Glas Champagner serviert der Service die Amuse Bouches.

Sardinen

U.a. Sardinen im Teigröllchen,
würzig und schmackhaft.

Das Besteck wird in diesem frühen Stadium noch nicht gewechselt. Auch gut.

Die Menüwahl bleibt dem Gast erspart. Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Das bedeutet, es gibt ein Menü welches täglich wechselt und Frische garantiert.
Damit sind die positiven Aspekte des Essens fast schon abgehandelt.

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Das folgende Gericht nenne ich „Meeresbrise“.

Wir finden Muscheln, Radieschen, Cocos und Blümchen.
Auffallend leichte und unaufdringliche Säurenoten sowie der Geschmack salziger Flüssigkeit.
Gewöhnungsbedürftig.

Ravioli

Ravioli im Fenchelsud.

Ein sehr schmackhafter Sud, ein einsamer Ravioli.
Es fällt mir schwer dies noch als Purismus durchgehen zu lassen oder diesem gar noch zu schmeicheln. Meine Ansprüche an ein Restaurant oder Bistro möchte ich auch nicht zur Allgemeingültigkeit erheben. Doch die Küche sollte diese Anspruchslosigkeit nicht zeigen.

Kartoffelchip

Kartoffelchip mit Himbeerstaub, Zwiebeln, kleine Fischstückchen, Rettich.

Das Gericht ist recht scharf ohne dass es störend oder gar übertrieben wirkt. Erneut fällt uns ein schmackhafter Sud auf, in welchem sich das Fischlein offensichtlich wohlfühlt.

Beim Himbeerstaub auf Kartoffelchips scheiden sich die Geister.
Ich neige dazu, dass hier die Küche mit einem Hauch Genialität durchdrungen scheint. Die Zustimmung meiner Frau findet diese Haltung nicht.

Ente

Ente, Ampfer, Holunderblüten, Couscous, Erbsen, Essig

Ente gut, alles gut, möchte man fast aufatmend sagen.
Die Ente ist saftig, leicht rosa gebraten.
War die Küche bisher recht eindimensional, finden wir hier etwas breiter angelegte Aromen. Das Fleisch ist überaus köstlich, dezente Röstaromen koalieren mit Säure- und Bitternoten.
Der Höhepunkt der Nr. 27 in der Welt ?

Oliveneis

Kräutereis, Salade d’herbe

Eis mit auffallendem Olivengeschmack auf etwas Schokolade, darüber Dill und Estragon.
Erfrischend.

Aprikose

Aprikose und Makronentörtchen

Die Aprikose wird leicht karamellisiert. Ein schöner Abschluss.

Schlussbemerkungen:

Sie haben längst bemerkt, dass dies nun nicht das beste Essen war über das ich bisher zu berichten hatte. Unsere positive Einstellung gegenüber der Arbeit und des Einsatzes engagierten Personals lässt uns entspannt und ohne Groll den Abend beenden.
Auch wenn es mich nicht zu einer Wiederholung drängt.

Der Autodidakt Aizpitarte, früher Landschaftsgärtner und Geschirrspüler, der Rock-Star unter den Köchen, wie schon zu lesen war, hat an diesem Abend eine harte Prüfung für seine Gäste bereitgehalten.

So manchem Gast sah man eine Mischung von Verzweiflung und Abneigung an, andere wiederum strahlten vor Glück.

Mein Urteil steht jedenfalls fest.
Frei nach Hans Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ komme ich zu dem Schluss, dass im übertragenen Sinne Aizpitarte nach diesem Abend nicht nackt, jedoch allzu dürftig bekleidet vor mir steht.

Sollten Sie nun neugierig geworden sein und würden gerne die Homepage des Restaurants besuchen, dann folgen Sie bitte diesem Link.

P.S.

Liebe Leserinnen und Leser.
Paris liegt nun hinter uns.
Für die nächsten Wochen darf ich Ihnen Berichte zu Restaurants mit insgesamt 13 Michelinsternen ankündigen.
Kreativität und hohe Handwerkskunst französischer Spitzenköche.

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