Le Faubourg

Le-Faubourg

Ist man als Foodblogger unterwegs, bleibt es nicht aus, dass man um Restauranttipps gebeten wird. Eines muss man dabei jedoch berücksichtigen: Mann muss bei solchen Fragen unbedingt auf die Zwischentöne achten. Es soll nämlich in der Regel ganz toll, ganz lecker, aber bitteschön nicht so teuer sein wie schon oft auf Menükarten der internationalen Hochküche gesehen oder vermutet.

Für heute jedenfalls habe ich schnell einen Rat zur Hand.
Im Le Faubourg, Sofitel Berlin Kurfürstendamm, schwingt der gebürtige Berliner Felix Mielke seit 2011 den Kochlöffel und fasziniert seine Gäste mit innovativer Küche auf Grundlage französischer Klassik.

Der Name „Le Faubourg“ in Verbindung mit dem Sofitel Hotel hat mein Interesse geweckt, musste ich doch sofort an das Sofitel Paris Le Faubourg denken.
Seit 9. März 2015 hat nämlich dort der „Prinz der Paläste“ Yannick Alléno, den ich im Frühjahr im Pariser Restaurant Ledoyen aufgesucht habe, die kulinarische Leitung des neuen Restaurants STAY Faubourg übernommen.

Bei soviel „Faubourg“ und „Sofitel“ im Kopf, war mein Interesse geweckt.

Letztlich ist es jedoch die Menükarte, die das Pendel endgültig für einen Besuch ausschlagen lässt. Angeboten werden „Vorspeisen zum Teilen“. Sehr interessant. Wird doch alle Jahre wieder der Unsinn unter die Leute gebracht, dass man mit einer „Beehren-Sie-uns-nicht-wieder-Karte“ verabschiedet wird, wenn man vom Tellerchen des Nachbarn nascht. Im Le Faubourg wird man geradezu zum Teilen verführt.

Die Hauptgerichte zeigen eine Besonderheit. Felix Mielke bietet nämlich die Hauptkomponente in zwei verschiedenen Variationen an:
„Tradition“ und „Nouveau“.

Wir entscheiden wir uns für jeweils eine Vorspeise und zwei unterschiedlich zubereitete Hauptgerichte.

Bevor ich zum Gruß aus der Küche komme, schnell noch ein paar Worte zum Ambiente des Restaurants.

Das große Restaurant ist in beruhigenden Farben gehalten und vermittelt eine typische, gemütliche, französische Atmosphäre, einschließlich der etwas engen Bestuhlung.

Artischockensuppe

Der Empfang ist überaus freundlich und professionell. Die Küche schickt als Küchengruß ein Artischockensüppchen mit einem Bayonner Schinkenchip und Creme.
Ein schöner und würziger Auftakt.

Garnelen

Garnele
Kopfsalat, Pilze, Pancetta, Kürbis, Buttermilch

Die Pilze werden als Trompetenpilze annonciert.
Der Craterellus cornucopioides wird auch Herbst- oder Totentrompete genannt und ist trotz seines martialischen Namens ein äußerst beliebter Speisepilz aus der Ordnung der Pfifferlingsartigen.

Zur Herbsttrompete passt auch wunderbar der Kürbis in verschiedenen Ausführungen, der nicht nur eine süsslich-nussige Note in die Kombination einbringt sondern auch saisonale Akzente setzt.

Die kalte Vorspeise zeigt schon deutlich, dass Felix Mielke die Hauptkomponente gerne mit zahlreichen Begleitern auf die Reise schickt. Auch wenn ich hier kein Übermaß feststellen kann, ist der Trend zur Reichhaltigkeit unverkennbar. Reichhaltig sind aber auch die Aromen, die eine geschmackliche Komplexität aufzeigen.

Entenleber

Entenleber
Kirsche, Pistazie, Olive, Löwenzahn

Ein beeindruckendes und kreatives Gericht. Der zarte Schmelz der Entenleber koaliert wunderbar mit den fruchtigen Noten der Kirsche. Ein echter Hochgenuss.

Seezunge-T

Seezunge (Tradition)
Pied-de-Mouton, Petersilie, Speck, Kohlrabi, Pommes macaire

Wir kommen zurück zur Ordnung der Pfifferlingsartigen und werden nun mit dem Pied-de-Mouton oder dem Semmel-Stoppelpilz beglückt. Ein kulinarisch guter Einfall und eine Ergänzung des traditionell zubereiteten Seezungengerichts. Der Fisch mit ordentlichem Garpunkt ist reichlich portioniert, unterliegt allerdings geschmacklich den von beiden Seiten knusprig gebratenen Kartoffelkuchen.
Gemeinsam mit den restlichen Komponenten, besonders der knusprigen Speckgarnitur, erleben wir ein rundes Geschmacksbild.

Seezunge-N

Seezunge (Nouveau)
sous-vide pochiert, Calamaretti, Brokkoli, Sauerampfer, Risotto, Mandel, Mangold

Wir konstatieren einen perfekten Garpunkt und harmonisch ausgesuchte Begleiter.
Eine moderne und handwerklich gelungene Präsentation.

Lammkarree

Lammkarree und Schulter (Nouveau)
Topinambur, Spargel, Poveraden, schwarzer Knoblauch

Ein knuspriges Vergnügen. Die Hauptgerichte sind grundsätzlich quantitativ reichlich bemessen, was ich auch schon angedeutet habe. Doch auch die Qualität ist bemerkenswert.

Lammstelze

Lammstelze (Tradition)
Bohnen-Cassoulet, konfierte Kartoffel, Merguez

Die scharf gewürzte Wurst aus der maghrebinischen Küche passt vortrefflich zum kräftigen Aroma der zarten Lammstelze.
Die Akkorde, also die Überlagerungen von Geschmacksempfindungen, sind in diesem Gericht besonders wahrnehmbar.

Wein und Service

Champagner Taittinger Brut Réserve
2014, Westhofener Chardonnay vom Weingut Dreissigacker, Rheinhessen
2014 Gewürztraminer S, Weingut Dr. von Bassermann-Jordan
Chateauneuf-du-Pape, Domaine Roger Perrin, (Jahrgang ist mir entfallen).

Die Weine passen wunderbar zum Essen und, das ist das Beste daran, auch zum Gast.

Der Service insgesamt ist professionell und freundlich bis familiär.
Maître Robert Skala begleitet unser Menü fachkundig und auskunftsfreudig.
Er ist ein Gastgeber wie man ihn sich wünscht.

FAZIT:

Felix Mielke präsentiert eine innovative französische Küche.
Grundlage ist eine hohe Produktqualität, gepaart mit Kreativität und sicherem Handwerk.
Die würzigen und ausgewogenen Geschmacksbilder haben unsere Erwartungen übertroffen.

Zum Internetauftritt des Restaurants gelangen Sie mit diesem L i n k

Kommentare

2 Antworten zu “Le Faubourg”

  1. Jan Klein sagt:

    Sehr geehrter Herr Steinmann,

    ein wunderbarer Artikel (ich möchte fast auf dieses Lob verzeichten, da Sie dies vermutlich öfter hören).

    Ich hätte nur eine Frage, zu dem recht kurz beschriebenen Entenlebergang:

    Was empfanden Sie hier als kreativ? Grundsätzlich ist die Kombination von Entenleber und Frucht eine oft gewählte. Auch die Kombination Entenleber und Kirsche ist gern gewählt.

    Ich würde mich freuen von Ihnen zu hören, verdanke ich Ihnen doch den letzten, kleinen Anstoß mich zum ersten Malö in ein Sternerestaurant zu wagen. Leider hat man als Doktorand nicht die finanziellen Möglichkeiten dies öfter zu machen.

    Mit lieben Grüßen

    Jan Klein

  2. B. Steinmann sagt:

    Lieber Herr Klein,

    bei der Entenleber finden wir richtige Kirschen und ein köstliches, ich nenne es mal Kirschgelee, das die Entenleber umhüllt. Dosierung und Zusammenspiel machen die Kombination aus und werden von mir als „kreativ“ bezeichnet.
    Viel Spaß beim Essen.
    B. St.

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