Restaurant Lovis

Diesmal machten wir uns auf den Weg in ein ehemaliges Frauengefängnis. Ehemalig, also keine Panik. Tatsächlich handelt es sich um das familiengeführte Hotel Wilmina mit dem Restaurant Lovis, unser eigentliches Ziel. Dort bekocht Sophia Rudolph ihre Gäste. Man befindet sich zum Zeitpunkt unseres Besuches im Zustand des „soft-openings“. 

Angepriesen wird laut Homepage eine „Contemporary German Cuisine mit dem Schwerpunkt auf saisonale und regionale Produkte von höchster Qualität.“ Mehr Informationen benötigt man eigentlich nicht, oder?

Sophia Rudolph besuchte das renommierte „Institut Paul Bocuse“ in Lyon, das sie mit einem akademischen Bachelor-Grad und als ausgebildete Köchin verließ. Längst hat sich das Institut Paul Bocuse zu einer renommierten International School of Culinary Arts, Hospitality and Food Service Management entwickelt. Außerdem absolvierte sie ein mehrmonatiges Praktikum in der Küche des 3-Sterne-Restaurants „Louis XV“ in Monte Carlo. Das Restaurant gehört zum Imperium von Alain Ducasse. 

Letztlich waren es diese beiden Stationen, die mich neugierig machten. Im Berliner „Panama“, zu dessen Erfolg Sophia Rudolph beigetragen hat, war ich allerdings nie. So richtig euphorisch bin ich bei Neueröffnungen eher selten. Allzu oft musste ich schon erleben, dass das Wollen über das Können triumphiert hat. Doch diesmal war ich guter Dinge.

Das Ambiente ist modern, relativ minimalistisch ohne anspruchslos zu sein. Klare Linien beherrschen den Gastraum. Nackte Backsteinmauern und vergitterte Fenster führen nicht zu Beklemmungen. Von der schwarzen Decke hängen zwar unzählige Leuchten herab, dennoch bleibt der Raum recht dunkel. Man sitzt auf sehr bequemen Stühlen oder auf langen Sofasitzreihen.

Noch ein Wort zu den Fotos. Es war sehr dunkel und ich wollte nicht übermäßig viel Zeit in die Vorbereitung der Fotos stecken. Das Essen stand im Vordergrund. 

Amuse-Gueule

Tartelette mit Blauschimmelkäse und roter Zwiebelmarmelade

MiniKrapfen

Gemüsebeet, Sauce Violine, Schafsjoghurt & Nigella

Das fruchtige Gemüsebeet mit Wachtelei und Schafsjoghurt ruht auf einem sehr geschmackvollem Rotkohlsaft. Ein sehr stimmiges Gericht.

Konfierte Lachsforelle von den „25 Teichen“, Kokos, Koriander

Gleich zu Beginn des Menüs trumpft Rudolph groß auf. 

Das cremig und zart gestaltete Gericht kommt mit spielerischer Anmut daher.  Verblüffend ist die aromatische Verdichtung die den Besuch bereits jetzt lohnenswert macht.

Roscoff-Zwiebel & Gruyère-Schaum, Beurre Blanc und Schnittlauch

Immer wenn die Annoncierung eines Gerichts mit Zwiebeln beginnt erinnere ich mich an das fantastische „GRATINÉE D’OIGNONS à la parisienne“ von Christian Le Squer in Paris. Allerdings bin ich Profi genug, um mit dieser Schwärmerei nicht ein neu eröffnetes Restaurant in Berlin zu belasten.

Die Roscoff-Zwiebel schmeckt sagenhaft gut. Sie ist nicht scharf, sondern eher zart, fast süßlich. Das passt wunderbar zu dem vollmundigen, nussigen Aroma des Gruyère.

Buttermilch & Zitrusaromen, Kürbischip

Rosa geschmortes Onglet, Topinambur & grüner Apfel, Szechuan-Pfeffer

Erdig und schmackhaft bereicherte Topinambur in verschiedenen Texturen das Gericht. Eine sehr gelungene Kreation.

Blaubeere, Pekannuss & Ahornsirup, Speck

Der Teller war dekoriert mit Speckstaub. Sehr schmackhaft war das Blaubeereis.

Service:

Restaurant Manager und Sommelier Salvatore Lampariello und seine engagierten und freundlichen Servicemitarbeiter führten kundig durch den Abend.

Lampariello war vor dem Lovis bereits in anderen Berliner Restaurants tätig. Das Restaurant Horváth, das SAVU oder das Stue beispielsweise, zeugen für reichlich Erfahrung.

FAZIT:

Sophia Rudolph hat ein sehr geschmackvolles, aromatisches Menü kreiert und uns an diesem Abend positiv überrascht. 

Natürlich ist in Berlin alles super und toll, zumindest wenn man die euphorischen Berichte zu Neueröffnungen liest. Man muss sich aber vor wirklichkeitsfremden Restaurantkritikern hüten, die allein wegen des Rudolph´schen  Engagementes bei Ducasse den Lorbeerkranz flechten.

Selbstverständlich verbiete ich mir eine Spurensuche im Menü nach Einflüssen von Ducasse oder Bocuse ebenso, wie den Versuch saisonale und regionale Zutaten ausdrücklich zu benennen um wieder einmal den Zeitgeist zu ertappen.

Rudolph hat den Geschmack eindeutig in den Mittelpunkt gestellt. Die handwerkliche Qualität war gut und die Konzeption der Gerichte lässt noch viel Gutes erwarten. Auch die Produktqualität war sehr gut und so werden wir, meiner Meinung nach, im nächsten Michelin Deutschland von ihr lesen.

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