Elektrisch unterwegs – Teil II

Das zweite Halbjahr meines Selbstversuches mit einem elektrisch angetriebenen Fahrzeug ohne eigene Wallbox durchzustehen ist geschafft. Die vermaledeitelte Coronakrise hat mir zwar so manchen Termin in Deutschland vermurkst, dennoch konnte ich die ein oder andere Fahrt unternehmen. Alle notwendigen Daten stehen am Ende des Berichts.

Die Verkehrswende ist in Deutschland in aller Munde. Zumindest scheint es so. In erster Linie beschäftigt sich unsere politische Elite damit. Allerdings versteht man je nach Parteimitgliedschaft etwas anderes darunter. Einigen geht es um Ladeinfrastruktur, anderen um den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und wieder andere träumen den jahrzehntelangen Traum eines Umbaus vom Transport mit LKW´s auf Bahn oder Wasserwege.

Ladestation in Werder (Havel) © Bernhard Steinmann

Die Verkehrswende trifft zusammen mit der Energiewende. Verkürzt dargestellt gewinnen wir unsere Energie aus drei Quellen. Einmal aus fossiler Energie mit Kohle, Öl und Gas, dann kommt die Kernenergie mit Kernspaltung und Kernfusion und schließlich die regenerative Energie mit Wasserkraft, Sonne, Wind und Biomasse. Das was uns nun als Energiewende verkauft wird ist letztlich nur der Ausstieg aus zwei Energiequellen: Kernenergie und fossile Energie. Finde den Fehler.

Auch in meinem zweiten Halbjahr war ich mit der Ladeinfrastruktur recht zufrieden. Immer dann wenn ich wollte, fand ich einen geeigneten freien Ladepunkt. Einfach war es allerdings nicht immer. Es kam schon einmal vor, dass sich gerade mal eine Ladegeschwindigkeit von 3 kw/h erreichen ließ. Also schnell weg und an einem anderen Punkt neu angeklemmt. Zuletzt kämpfte ich in Bernau mit einer Kindersicherung die sich als solide Erwachsenensicherung herausstellte. 

Die markenübergreifende Öffnung der Supercharger schreitet voran. Zum Start durften nur Fremdmarken-Elektroautofahrer mit Wohnsitz in den Niederlanden an den markenübergreifenden Superchargern laden, inzwischen können auch Nicht-Teslafahrer aus Deutschland, Belgien, Frankreich und Norwegen die Ladestationen nutzen. 

Das gefällt natürlich nicht allen Teslafahrern doch derzeit kann ich hier noch keine Probleme erkennen. Das ändert sich erst mit höheren Zulassungszahlen elektrischer PKW´s.

Steigende Zulassungszahlen scheinen jedoch in der Branche mit Skepsis betrachtet zu werden. Konzern-Chef Carlos Tavares (CEO) von Stellantis, 

das Unternehmen hinter Marken wie Opel, Fiat und Peugeot, warnt vor einem Preisschock. „Wir müssen uns vor dem Moment fürchten, ab dem sich die Mittelschicht kein Auto mehr leisten kann.“ Wenn ein 25.000-Euro-Auto morgen zu einem 45.000-Euro-Auto wird, dann tut das der Mittelschicht weh“, sagte Tavares (9.3.22 inside-digital).

Auch in Tiefgaragen findet man Ladestationen (© Bernhard Steinmann)

Mittlerweile wurde auch Teslas Gigafactory in Grünheide eröffnet. Neben Tesla-Chef Elon Musk und dem Bundeskanzler nahmen auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), sowie der Ministerpräsident von Brandenburg, Dietmar Woidke (SPD), sein Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sowie sein Umweltminister Axel Vogel (Grüne) teil. Großer Bahnhof, wie man so schön sagt.

Nun zu den Ladedaten. In Klammern die Daten des ersten Halbjahres.

Der Verbrauch stieg in den Wintermonaten erwartungsgemäß. Das E-Auto mag es lieber etwas wärmer. Hinzu kommt, dass die Strompreise an den Ladestationen nach oben angepasst wurden.

Für eine Kilowattstunde AC-Ladung hatte ich im ersten Halbjahr 0,38 € bezahlt, nun wurden 0,42 € fällig. Teslas Supercharger rufen statt 0,40 € nunmehr 0,45 € auf. Schnelllader anderer Anbieter kosteten nach wie vor 0,52 € pro kWh. Bei EnBW mobility+ findet man Schnelllader für 0,48 € pro Kilowattstunde. Über meine Erfahrungen mit dieser Lademöglichkeit berichte ich im nächsten Halbjahr.

In den letzten sechs Monaten habe ich 5.800 (9.100) km zurückgelegt. Neben Kurzstrecken in Berlin führte mich mein Weg auch quer durch Deutschland. Insgesamt habe ich bei 51 (57) Ladevorgängen für 500,16 € (497,79 €) Strom geladen. Das sind 0,08 € (0,05 €) pro km. 500,16 € für sechs Monate bedeuten aufgerundet 83,36 € pro Monat. 

War das zuvor schon besser als bei meinem alten Verbrenner, kam ich im zweiten Halbjahr mit den unsinnigen Preissteigerungen für Benzin und Diesel noch besser weg. 

An Teslas Superchargern hatte ich 14 (18) Ladevorgänge, hinzu kamen 4 (3) weitere Ladungen an anderen Schnellladern. 32 (30) Ladungen habe ich an kostenpflichtigen AC-Ladesäulen vorgenommen, Eine (6) AC-Ladung konnte ich kostenfrei vornehmen. Das ergibt pro Ladung im Schnitt 9,81 € (8,73 €).

In sechs Monaten werde ich wieder berichten. Dann vielleicht endlich auch von einer Auslandsreise mit dem elektrischen Vehicel, wenn die Coronakrise dies zulässt.

Argumente für ein allgemeines Tempolimit gibt es zwar reichlich, doch erschöpft ist dieses Thema noch lange nicht. Die Co-Vorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, hat angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine und der dadurch in vollem Umfang sichtbar gewordenen Abhängigkeit Deutschlands von russischem Öl, Gas und Kohle die Einführung eines Tempolimits auf Autobahnen gefordert. (Redaktionsnetzwerk Deutschland 2. April 2022) Das legt den Verdacht nahe, als hätten die politisch handelnden Personen in diesem Land ohne das schreckliche Ereignis nicht gewusst, woher die Deutschen überall ihr Zeugs bekommen. Über das Schicksal dieser Initiative werde ich ebenfalls berichten.

Übrigens: Der Anteil der Straßen ohne gesetzliche Geschwindigkeitsbegrenzung am deutschen Straßennetz beträgt 1,4 Prozent.

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