Hartmanns (*)

Mit der Ende des Jahres 2010 veröffentlichten Ausgabe des Guide Michelin wurde das in Berlin – Kreuzberg gelegene Restaurant Hartmanns mit einem der begehrten Sterne ausgezeichnet. Grund genug für mich, einmal vorbeizuschauen und zu sehen, was Stefan Hartmann so zu bieten hat. Die schmale, schwergängige Tür sträubte sich zunächst, das Innere zu offenbaren. Hat man es geschafft, wird man in einer kleinen Lobby empfangen und vom freundlichen Service flugs ins Gewölbe des Restaurants geleitet. Der recht dunkel anmutende Gastraum wurde von einem modernen Kamin dominiert, hinter dessen Glastür ein munteres Feuerchen loderte. Das Sitzmöbel war bequem, der Tisch jedoch offensichtlich etwas zu klein geraten. Gestartet wurde mit einem Glas Rieslingsekt aus dem Hause des Reichsrates von Buhl (Pfalz).

Als Amuse bouche wurde Spanferkelbäckchen und Jakobsmuschel mit Granny Smith gereicht. Nicht nur optisch ein Genuss, sondern ein formidabler Start, der neugierig machte.  

Das gewählte 6-Gang-Menü startete mit Hummertartar und Eisbeinpraline mit dreierlei Erbse und Krustenriergelee. Erbsen, Sprossen und Püree gefielen, mit unverfälschtem Geschmack stellten sie die Eisbeinpraline in den Schatten, die ihrerseits geschmacklich eher dezent in Erscheinung trat. Der Hummertartar war gelungen und verzieh die zuvor erkannte kleine Schwäche. Insgesamt ansprechend arrangiert.
Reichsrat von Buhl aus der Pfalz begleitete hierzu mit einem Grauburgunder aus dem Jahre 2010.  

Es folgte Pochierte Saiblingsrolle mit geschmorter Endivie, Kartoffelschaum und Kaviar. Interessant, die Saiblingsrolle unverfälscht im Geschmack, nahezu perfekte gegart. An dieser Stelle traten meine Sorgen darüber, was mich wohl in Kreuzberg erwarten würde, langsam in den Hintergrund. Als Begleiter gab es einen Sauvignon Blanc, 2009, von der Loire.  

Nun zum Rochenflügel mit Bohnenpüree, Catalonia und Oliven – Kapernsauce. Irgendwie habe ich ein Faible für Rochenflügel. Ich meine, es war 2005, da fühlte ich mich geradezu von Rochenflügeln in allen Variationen verfolgt.
Dieser hier war zart, geschmacklich eher zurückhaltend, von der Kapernsauce deutlich in die Defensive gedrängt. Hier konnte und musste ein 2009er Chardonnay von Xavier Weiskopf von der Loire Abhilfe leisten.  

Bries und Zunge vom Kalb mit Balsamico-Linsen und Karottenpüree.
Der Gang war stimmig, die Linsen bereicherten Bries und Zunge aufs Vortrefflichste. Geschmacklich ein Gleichklang, nichts überlagerte, keine dominierenden Teile. Vom Weingut Hensel aus der Pfalz wurde ein 2008er „Aufwind“ gereicht.  

Geschmortes und Gebratenes vom Lamm mit Polenta, Poverade und Schnippelbohnen folgte sodann und überzeugte. Guter Garpunkt beim Lamm, das Geschmorte zart und schmackhaft, so wie es sein sollte. Die kleine Artischocke rundete nahezu perfekt ab. Aus Niederösterreich, aus dem Hause Weixelbaum, kam ein 2006er Zweigelt.

Kokosnussmousse im Knuspermantel mit Ananas und Schokoladensorbet rundeten das Menü ab. Wirklich gelungen. Eine Riesling Auslese aus dem Jahre 2008 von Leiner aus der Pfalz ergänzte prächtig.


Süßes zum Schluss.

FAZIT:

Es war insgesamt ein schöner, interessanter Abend im Kreuzberger Kiez, den man vielleicht so nicht erwartet hätte. Der Service war entspannt, routiniert und freundlich.

Kommentare

Eine Antwort zu “Hartmanns (*)”

  1. Hallo, Herr Steinmann, Ihren ersten Bericht habe ich mit großem Interessse gelesesen. Die Texte und die Photos machen wirklich bereits jetzt einen professionellen Eindruck. Witzig fand ich Ihre verschiedenen Formulierungen zu dem jeweiligen Wein.

    Alles Gute und gutes Gelingen

    Thomas Grabinger

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