Interview mit Winnie Mok

Zum Abschluss der Berichtsreihe über das Hotel Sonne Frankenberg und das Restaurant Philipp Soldan, möchte noch Sommeliere Winnie Mok zu Wort kommen lassen.

Die Weinexpertin hat uns auf eine beeindruckende Weinreise mitgenommen und damit Erik Arneckes Kreationen bestens unterstützt.

Hier nun das Interview

Bernhard Steinmann (B.St.): Wie sind Sie zum Beruf der Sommeliere gekommen? Wo haben Sie gelernt?

Winnie Mok (W.M.): Ich bin sozusagen in der Gastronomie groß geworden, wollte aber zunächst etwas ganz anderes machen. So absolvierte ich eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau. Allerdings musste ich feststellen, dass ein Bürojob nicht so recht zu mir passt. Daher bin ich zurück zur Gastronomie.

Nach meiner Lehrzeit am Bodensee bin ich sechs Jahre zur See gefahren. Ich war auf der MS Deutschland. Dort entwickelte ich meine Vorliebe für Wein und habe u.a. als Weinsteward gearbeitet. Danach machte ich eine Sommelierausbildung und arbeitete acht Jahre in Frankfurt.

B.St.: Rebsorte, Anbaugebiet, Boden, klimatische Bedingungen, all dies weiß man bevor man die Flasche öffnet. Können Sie mit diesen Informationen schon den Geschmack voraussagen?

W.M.: Das ist ganz klar eine Sache der Erfahrung. Man kann es schon ungefähr einschätzen. Es gibt allerdings auch immer mal wieder Weine die überraschen. Zum Beruf einer Sommeliere gehört aber selbstverständlich reichlich Basiswissen. Weinbaugebiet, Stilistik, das kennt man natürlich schon.

Winnie Mok (© Bernhard Steinmann)

B. St.: Kann man guten Wein am Preis erkennen? Gibt es einen Mindestpreis für den Einkauf?

W.M.: Also bei einem Wein von 3 € wäre ich eher skeptisch. Es gibt, meiner Meinung nach, oftmals sehr schöne Überraschungen knapp unter 10 €. Da kann man schon recht gute Weine finden.

Man muss natürlich keine 150 € für eine Flasche Wein ausgeben, um wirklich etwas Gutes zu bekommen. Da kann man sehr weit darunter bleiben und findet tolle Sachen, die richtig Spass machen. Wein muss schmecken, muss Spass machen, danach sollte man sich richten.

B.St.: Welchen Schwerpunkt hat Ihre Weinkarte?

W.M.: Der Schwerpunkt meiner Weinkarte liegt definitiv in Deutschland. Unsere Gäste lieben deutsche Weine. Natürlich kommt man an Frankreich, Italien und Spanien nie vorbei.

Die neue Welt ist bei uns weniger vertreten, da diese auch kaum nachgefragt wird.

B.St.: Hessen hat zwei Weinanbaugebiete. Der Rheingau ist weltberühmt, die Hessische Bergstraße mit ihrer großen Rebsortenvielfalt eher unbekannt. Von der Hessischen Bergstraße habe ich gestern nichts in Ihrer Karte gefunden.

W.M.: Die Hessische Bergstraße ist fast das kleinste Weinanbaugebiet in Deutschland, zusammen mit Sachsen und Saale-Unstrut. Für Prädikatsweine ist das Weinanbaugebiet noch relativ unbekannt. Viele Weine gehen noch an die Winzergenossenschaften. Für meine Weinkarte ist das derzeit noch nicht so interessant.

B.St.: Bio-Weine, Öko-Weine, alles auf der Grundlage möglichst naturschonender Pflegemaßnahmen liegen im Trend. Auch bei Ihnen?

W.M.: Ja, ich habe auch einige dieser Weine auf der Karte. Ich finde das Thema Bio- und Ökoweine sehr spannend. Es gibt leider keine einheitlichen Siegel.  Ich bin ein großer Freund von Winzern, die naturnah und nachhaltig arbeiten.

B.St.: Wie sieht eigentlich der Weinkonsum im Restaurant aus. Verkaufen Sie eher Flaschenweine oder entscheiden sich die Gäste für eine glasweise Weinbegleitung?

W.M.: Nun, ich schätze mal, dass sich etwa 60 bis 70 % unserer Gäste für eine Weinbegleitung entscheiden. Die Gäste lassen sich gerne auf unsere Empfehlungen ein. 

B.St.: Sind die Gerichte von Herrn Arnecke leicht mit Wein zu begleiten oder ist es etwas komplizierter. Besonders dann, wenn die Speisen etwas kräftiger, etwas würziger sind?

W.M.: Das macht alles keine Probleme. Schließlich ist die Sommeliere genau dazu da, den passenden Wein für die Gäste zu finden. Der Wein soll die Gerichte keinesfalls überspielen oder unterdrücken, er soll sie begleiten und unterstützen.

Da wir die Gerichte vorher probieren und wissen wie sie schmecken, können wir auch schon den Wein aussuchen und ebenfalls probieren, ob alles zusammen passt.

B.St.: Zum Abschluss habe ich noch eine Frage zur Glaskultur. Gibt es das eine richtige Glas zum Wein oder soll man zum Universalglas greifen?

W.M.: Das ist eine Mischung von beidem. Auch wir benutzen ein Universalglas von Zalto. Ich finde, das ist eines der besten Gläser die ich kenne.

Allerdings braucht jeder Wein seine Bühne. Es gibt Weine, die sich in einem großen Glas regelrecht verlieren und es gibt Weine, die benötigen ein großes Glas um sich zu entfalten. Generell halte ich das Universalglas für eine gute Lösung. Wir arbeiten allerdings mit mehreren Gläsern. So können wir immer das richtige Glas zum Wein finden.

B.St.: Vielen Dank, liebe Frau Mok, für dieses aufschlussreiche Gespräch.

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